Stellvertretend für die Bürgermeister der Gemeinden Stommeln und Sinnersdorf und im Namen des Rates der Gemeinde Pulheim wünsche ich der Schulleitung der Geschwister-Scholl-Schule, dem Lehrer-Kollegium und den Schülern anläßlich der feierlichen Eröffnung des Schulzentrums alles Gute, in der Hoffnung, daß die Einrichtung des Schulverbandes für die Nordkreisgemeinde den Aufgaben der Schülerbildung voll gerecht wird.

Am 13. Juli 1970 beschloß der Schulverband, auf dem gemeindlichen Grundstück an der Hackenbroicher Straße ein Schulzentrum zu errichten. Nach der notwendigen Wettbewerbsausschreibung wurde Herr Architekt Eigelshoven, Aachen, mit der Planung und der künstlerischen Oberleitung beauftragt.

Das Ingenieurbüro Lienenkämper, Meerbusch wurde später als Fach-Ingenieurfirma mit der Durchführung des Bauvorhabens betreut. Nach Abschluß der Planungsarbeiten begannen die Rohbauarbeiten am 6. November 1970 und nach nunmehr 2 Jahren kann das Schulzentrum in Pulheim feierlich den Schülern übergeben werden.

Die vorhandenen 48 Klassen zuzüglich der Fachklassen und Lehrmittelräume sind nach neuesten Erkenntnissen eingerichtet und können die schulischen Belange des Schulzentrums voll lösen. Der Mittelpunkt der Schule bildet fraglos das pädagogische Zentrum, jedoch müssen in Zukunft noch eine Dreifach‑Turnhalle und ein gesondertes pädagogisches Zentrum in Form einer Aula errichtet werden.

Ich hoffe, daß in Zukunft sich der Rat der neuen Gemeinde mit dem gleichen Erfolg diesen Schul-Aufgaben widmen wird.

 

Prof. Robert Dohmen

Bürgermeister



Schulzentrum Pulheim

 

Bildungsmittelpunkt Gemeinde Pulheim

 

Während des Baus der Realschule für Jungen und Mädchen in Pulheim an der Hackenbroicher Straße wurde den damaligen Mitgliedern des Realschul‑Zweckverbandes schon bewußt, daß die schulischen Belange der Gemeinde Sinnersdorf, Pulheim und Stommeln nur dann gelöst werden können, wenn neben der vorhandenen Realschule ein Gymnasium errichtet wird. Vor mehr als 5 Jahren konnte jedoch noch kein Mitglied des damaligen Zweckverbandes daran denken, daß im Jahre 1974 ein Gymnasium als Teil eines Schulzentrums diesen Ausmaßes und dieser Kostenhöhe fertiggestellt sein würde.

Zum damaligen Zeitpunkt ging man in der Planung davon aus, ein dreizügiges Gymnasium zu errichten. Diese ursprüngliche Planung wurde jedoch durch die Neufassung der Schulbaurichtlinien in den Jahren 1970 und 1971 völlig verändert. Nach der neuen Planung sollte ein dreizügiges Gymnasium integriert mit einer dreizügigen Realschule und einer dreizügigen Hauptschule zu einem Schulzentrum vereinigt werden.

Nach einer reinen Bauzeit von etwa 2 Jahren ist nun das Gymnasium in Pulheim fertiggestellt und kann am heutigen Tage feierlich eröffnet werden.

Es umfaßt neben den 48 reinen Klassenräumen alle notwendigen Fachräume, Sonderräume und Spezialeinrichtungen, die für einen modernen Unterricht im Bereich der Sekundarstufen I und II notwendig sind. Der Bevölkerungsstrom in die Gemeinde des Schulverbandes und die Attraktivität von Gymnasium und Realschule haben dazu geführt, daß beide Schulen heute 7-zügig sind.

Die Unterbringung der Hauptschule im Schulzentrum ist daher zur Zeit nicht möglich. Ein Schulentwicklungsplan, der in der Verwaltung erarbeitet wird, basierend auf dem Versorgungsraum der Gemeinde Pulheim ab 1. 1. 1975, soll die schulische Situation analysieren und die weitere Entwicklung aufzeigen.

Dieses Haus wird nach dem Willen seiner Erbauer vielseitig genutzt. Gymnasium, Realschule, obere Klassen der Sonderschule und vor allem auch die Volkshochschule werden die Fachräume nutzen, so daß die sinnvolle Verwendung öffentlicher Gelder sichergestellt ist. Die hier stattfindende Erwachsenenbildung trägt dazu bei, daß das Schulzentrum Bildungsmittelpunkt der Gemeinde Pulheim sein wird. Zur feierlichen Eröffnung des Schulzentrums wünsche ich den Lehrenden und Lernenden alles Gute und hoffe, daß dieses Haus sich mit seinen Einrichtungen bewährt.

Dem planenden Architekten, dem bauleitenden Ingenieurbüro und den Handwerkern danke ich herzlich für dieses insgesamt gelungene Werk.

Last not least danke ich den Mitgliedern des Schulverbandes, seines Arbeits‑Ausschusses und den Mitarbeitern des Schulverbandes für die zahlreichen Oberstunden und Sitzungen für partnerschaftliche, ja liebevolle Mitarbeit.

 

Franz Josef Welter

SchuIverbandsvorsteher

 


Zur Eröffnung des Schulzentrums

 

Es war vor über 5 Jahren, da stand der damalige Schulverbandsvorsteher neben dem ersten Pavillon des Gymnasiums und zeigte auf diese Stelle hier und meinte: "In etwa 2 Jahren beziehen wir dort das neue Gymnasium."

Aber es kam anders: 1969 erließ der Kultusminister Richtlinien, nach denen Neubauten für Gymnasien nur noch als Schulzentren errichtet werden konnten. Damit war der Schulverband zu einer Anstrengung verpflichtet, die seine Finanzkraft bis heute übermäßig strapaziert und die Planungszeit verlängerte. Hinzu kamen der mehrmalige Wechsel in der Leitung des Schulverbandes und die allgemeine Unsicherheit im Pro und Contra der Gesamtschule. All das führte zu der Verzögerung, deren Ende mit dem heutigen Tag gekommen ist.

Auch in einem zweiten Bereich verlief alles anders, als vorherzusehen war: Die Schule begann 1969 mit 110 Schülern. Inzwischen sind es infolge der allgemeinen Bildungswerbung und des Zuzugs in diesen Bezirk jährlich 240 neue Schüler, aus einem dreizügigen Gymnasium wurde innerhalb von 4 Jahren ein siebenzügiges mit über 1000 Schülern. Schon 1976 werden wir vermutlich alle Räume dieses Schulzentrums mit unseren Klassen füllen müssen, da wir uns zudem auf neue Schüler von Realschule und Hauptschule in Klasse 11 einzustellen haben, von der Orientierungsstufe ganz abgesehen.

Nur am Rande sei erwähnt, daß sich leider der Vorschlag des Lehrerkollegiums bei der Planung der Schule nicht durchgesetzt hat. Dieser sah eine Zweiteilung des Gebäudes für Sekundarstufe I und II vor und hätte mit den je 700-800 Schülern den pädagogisch neuen Untersuchungen eines Hartmut von Hentig nach größerer Überschaubarkeit entsprochen.

Nach langen Jahren des Wanderns und der Auslagerungen ist nun das neue Gebäude erstellt. Bei allen großen Sorgen um die Licht- und Schallverhältnisse sowie um eine ausreichende Erstausstattung sind wir dennoch dankbar. Endlich hört das Hasten zwischen den oft weit auseinanderliegenden Pavillons auf. Endlich können wir als Schule einmal zu uns selber kommen, wenn dies auch bei dieser großen Schülerzahl schon schwierig ist. Endlich stehen uns Fachräume in genügender Zahl zur Verfügung. Bei dieser Gelegenheit sei der Realschule für die Jahre der Gastfreundschaft in ihren Fachräumen gedankt, dem Schulverband, der Bauleitung und allen Handwerkern für die Zusammenarbeit.

Welche Aufgaben liegen nun vor uns?

1.   Wir müssen zunächst das unorganisch schnelle Wachstum der Schule verkraften. 1973 und 1974 sind 26 (von insgesamt 58) Lehrern neu zu unserer Schule gekommen, darunter 11 nebenberufliche, teilzeitbeschäftigte Kräfte und Studenten. Wer sich in Fragen der Sozialisation auskennt weiß, wie lange es dauert, bis eine so schnell wachsende Gruppe sich untereinander kennt und ohne Mißverständnisse arbeitet. Unser Ziel ist, zu erreichen, daß hier ein gutes Arbeitsklima entsteht und bleibt, das alle Verantwortlichen umfaßt: Lehrer, Verwaltungskräfte, Hausmeister.

2.   Diese Voraussetzung muß erfüllt sein, damit sich auch Schüler hier wohlfühlen. Damit meinen wir, daß jeder einzelne bei aller Leistungsanforderung wissen muß, daß er letztlich mit dem Wohlwollen aller rechnen kann. Der Schüler soll sich verstanden wissen, auch wenn er versagt, ja gerade dann soll er in seiner Schullaufbahn gut beraten werden. Seinetwegen muß der Kontakt zu Real- und Hauptschule gepflegt werden, damit die Durchlässigkeit ‑ wie bisher in beiden Richtungen, auch zu uns hin ‑ erhalten bleibt. Die Kollegen der zubringenden Grundschulen bleiben wie bisher eingeladen, dem Unterricht beizuwohnen, damit wir uns gemeinsam um den weiteren Werdegang der früheren Grundschüler beraten können.

Zur Schulfreudigkeit der Schüler gehört auch, daß sie sich beim Obergang von den Grundschulen zunächst einmal in einem Klassenraum und in einer Gruppe von Gleichaltrigen zurechtfinden, um eine gewisse Form von Gemeinschaft mit Verantwortung und Hilfsbereitschaft füreinander kennenzulernen, bevor sie sich in Kurse aufteilen.

3.   Damit Schüler sich wohlfühlen und zum Lernen gut motiviert werden, soll auch diese Schule das werden können, was der Name sagt: Ort der Muße, nicht des Müßiggangs, sondern des kreativen, zweckfreien Tuns in Spiel und Feier, sei es in Musik, Kunst, Werken, Sport oder in Neigungsgruppen (Laienspiel, Selbsterfahrungsgruppen, meditativ oder sozial arbeitenden Gruppen u. ä.). Der ständigen Förderung der rationalen Kräfte des jungen Menschen soll ein Gegengewicht in der Erkenntnis des Unbewußten und der Pflege seiner Emotionen und ungenutzten positiven Fähigkeiten entgegengestellt werden, damit jeder sich selbst frei verwirklichen kann.

Dieses Gegengewicht zur Welt des Meß- und Machbaren braucht Schule heute mehr denn je, da das Elternhaus oft überfragt ist, etwa bei einer sinnvollen Freizeitgestaltung. Wir stehen hier erst am Anfang, das Gebäude läßt nur begrenzte Möglichkeiten zu, aber sie gilt es zu nutzen.

4.   Warum, so könnte man nun fragen, dann nicht sofort Ganztagsschule? Abgesehen von der finanziellen Belastung für den Schulträger, wäre deren Einführung beim jetzigen Lehrermangel verfrüht. Wir halten seit langem Kontakt zu Ganztagsschulen und hören, daß die Lehrerkollegien dort stark überfordert sind. Das wiederum schlägt sich auf das Arbeitsklima nieder.

Wir werden daher das Silentium weiter ausbauen, das seit 4 Jahren als Schulversuch läuft und das Milieuschranken abbauen helfen will, um mehr Chancengerechtigkeit zu erreichen. Sollten genügend Lehr- und Hilfskräfte zur Verfügung stehen, wäre es sinnvoll, eine Ganztagsschule anzubieten, und zwar denen, die sie benötigen.

 

Eine letzte Frage wäre die nach der Gesamtschule. Die Erfahrungsberichte der uns bekannten integrierten Gesamtschulen sind alarmierend. Auch dort blockiert der Lehrermangel manche Initiativen. Wir hoffen, daß diese Frage ideologiefrei durchdiskutiert werden kann, damit wir uns der besten Lösung öffnen können.

Die wichtigste aller Reformen scheint ‑ nach einem Oberblick über alle Schulversuche ‑ im Moment die Senkung der Klassenfrequenzen zu sein.

Je mehr der Lehrer Zeit und Kraft hat, sich dem einzelnen Schüler zuzuwenden, um so besser werden dessen Arbeitshaltung und Schulfreudigkeit. Bei Klassen über 35 Schülern ist das nur begrenzt möglich. Nicht nur die Erfahrung, auch die Forschung gibt uns hier recht.

Das Schlagwort von der "Lehrerschwemme" stimmt einfach für uns nicht. Wenn hierbei von den jetzigen Klassenfrequenzen ausgegangen wird, mag in 4 Jahren der Bedarf gedeckt sein, aber nicht, wenn die Schülerzahl pro Klasse gesenkt wird.

Das aber wäre pädagogisch unbedingt notwendig.

Zusammenfassend läßt sich sagen:

Die Hauptaufgabe in diesem neuen Gebäude wird es sein, bei dem noch 3 Jahre dauernden Zuwachs von Schülern und Lehrern eine Atmosphäre zu schaffen und zu erhalten, in der jeder einzelne sich anerkannt und gefördert weiß. Ob dieses Ziel zu erreichen ist, kann jetzt noch niemand sagen, zumal wir im nächsten Jahre in die Oberstufenreform eintreten und die Zusammenarbeit mit Realschule und Hauptschule intensivieren möchten.

Dazu brauchen wir viel Verständnis von seiten der zuständigen Verwaltung am Ort, in Düsseldorf wie in Köln. Wir benötigen weiterhin die gute Zusammenarbeit mit den Eltern wie bisher. Vor allem brauchen wir eine realistische Bildungspolitik.

Ist dies gegeben, dann allein sehe ich nicht schwarz, denn ein Lehrer lebt, wenn er glücklich in seinem Beruf werden will, von der Hoffnung. Das kann er, weil er täglich der Jugend, und damit unserer Zukunft gegenübergestellt ist.

 

Dr. Rudolf Nießen

 


Grußwort

 

Leitung und Kollegium der Realschule entbieten anläßlich der Einweihung des neuen Schulzentrums Pulheim dem Gymnasium herzliche Glückwünsche.

Den Politikern des Schulverbandes der drei Nordgemeinden des Kreises Köln, den Damen und Herren der Verwaltung, den Bürgern unserer kommunalen Gemeinschaft sagen wir aufrichtigen Dank.

Wir freuen uns alle, daß dieses Schulzentrum, das unter zielstrebigem Einsatz und großen Opfern geschaffen wurde, nun vollendet ist und den Schulen des Schulverbandes, in erster Linie dem Geschwister-Scholl-Gymnasium, aber in der Benutzung der Fachräume auch der Realschule zur Verfügung steht.

Wir hoffen, daß damit die Jahre der Einschränkung und belastenden Verhältnisse ihr Ende finden. Dafür danken wir.

Es gilt nun, dieses Bauwerk mit dem Leben und dem Geist zu erfüllen, der zur Formung und Erziehung junger Menschen, zu ihrer sozialen Bildung notwendig ist, damit auch sie einst als Erwachsene ihren sozialen Verpflichtungen nachkommen können.

Daß dies in der Zukunft gelingen möge, wünschen wir uns zum Tage der Einweihung des Schulzentrums Pulheim von Herzen.

 

Bernd Böllecke

Realschuldirektor

 


Schule im Wandel

 


Planvoller Wandel

Stufengliederung des Schulwesens

Bildungspolltische Zielsetzung

 

Dipl.-Komm. Firsching

 

Planvoller Wandel

 

Die wachsenden einem steten Wandel unterworfenen Anforderungen an unser Bildungswesen haben in Bund, Ländern und Gemeinden zu der Einsicht geführt, daß sich langfristige, auf einer systematischen Grundlage beruhende Bildungsreformen nur dann verwirklichen lassen, wenn die betroffenen Gebietskörperschaften den Weg zu einer gemeinsamen Bildungsplanung finden.

Die Bildungsplanung muß notwendigerweise von dem Bestehenden ausgehen. Eine nach gründlicher Analyse in Angriff zu nehmende Weiterentwicklung des Bildungswesens kann nur schrittweise erfolgen, wobei insbesondere die gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge, der Personal- und Finanzbedarf sowie der Zeitraum, der bei der Entwicklung und Erprobung neuer Bildungsgänge, Lerninhalte, Methoden und Hilfsmittel benötigt wird, Berücksichtigung finden müssen. Ausgehend von dieser Grundlage muß eine Struktur- und Entwicklungsplanung des Schulwesens dem Selbstverständnis unserer Gesellschaft, das in den Bestimmungen des Grundgesetzes und der Landesverfassung einen normativen Ausdruck findet, entsprechen.

Die Wertordnung des Grundgesetzes legt allem Handel in bezug auf den einzelnen Menschen die Verpflichtung auf, die Hinführung und Erziehung zum demokratischen und sozialen Rechtsstaat ernst zu nehmen. Aus dieser Verpflichtung ergeben sich hinsichtlich der Zielsetzung des zukünftigen Bildungswesens vielschichtige Konsequenzen.

So bewirkt die Sicherung und weitere Verwirklichung der sozial-staatlichen Demokratie, daß das zukünftige Schulwesen den jungen Menschen in die Lage versetzen soll, ein individuell wie gesellschaftlich verantwortungsbewußtes Leben zu führen. Hierzu ist es erforderlich, daß sowohl seine Selbstentfaltung als auch die Selbständigkeit seiner Entscheidungen und Handlungen durch eine allumfassende Orientierung in der heutigen Welt ermöglicht und gefördert wird. Nur so vermag die Schule der ihr durch das Grundgesetz auferlegten Verpflichtung, den einzelnen zu einer aktiven Teilhabe am gesellschaftlichen und politischen Leben zu führen, zu erfüllen. Die beiden wesentlichen Aufgaben der Schule bestehen somit darin, einmal den jungen Menschen auf das berufliche Leben vorzubereiten und dadurch die öffentliche Aufgabe der beruflichen Bildung zu erfüllen, zum anderen als Stätten der Bildungstradition zum kulturellen Leben der Gesellschaft beizutragen.

Aus der durch die Wertordnung des Grundgesetzes vorgegebenen Zielsetzung erwachsen weiterhin spezifische Bildungsinhalte.

Das Bemühen um eine umfassende und durchgreifende Reform der Lehrinhalte, die sogenannte Curriculumreform also, beherrscht heute die gesamte pädagogische Diskussion. Wichtige Themen sind in diesem Zusammenhang neben vielen anderen, die Entwicklung neuer Formen frühkindlichen Lebens, die Verstärkung der Wahlfächer im Kanon der Pflichtfächer und die Integration von beruflicher und allgemeiner Bildung. Schließlich verlangt die bildungspolitische Zielsetzung eine veränderte Schulorganisation.

Es kann als von der soziologischen Wissenschaft nachgewiesen angesehen werden, daß die herkömmliche Dreigliederung unseres Schulwesens in Volksschule, Realschule und Gymnasium auf früher herrschende gesellschaftliche Vorstellungen zurückgeht.

Man glaubt, in der Gesellschaft drei Gruppen aufgrund von drei beruflichen Betätigungsfeldern erkennen zu können: praktische Berufe, gehobene mittlere Berufe, akademische Berufe. Auf diese drei Gruppen wurde dann das Schulwesen ausgerichtet.

Hiergegen fordert ein an dem Grundgesetz und seiner Wertordnung orientiertes Bildungsziel, insbesondere das Gleichheitsgebot, ein Bemühen um ein höheres Maß an Chancengleichheit. Hiermit ist nicht Gleichmacherei, nicht ein gleich hohes oder gar gleich niedriges Bildungsniveau gemeint, sondern ein inhaltlich differenziertes, aber gleichwertiges Bildungsangebot für alle jungen Menschen gleich welcher Herkunft.

Das Streben nach Chancengleichheit bedingt gewisse, für alle Lernenden gemeinsame Elemente. Durch verbindliche Lernangebote ist eine gemeinsame Grundbildung anzustreben, auf weiche sich ein differenziertes Wahlfächerangebot aufbauen kann. Dieses wiederum muß unter Berücksichtigung der unterschiedlichen geistigen, psychischen und physischen Voraussetzungen durch ein individualisiertes Lernangebot der anzustrebenden Differenzierung Rechnung tragen.

Diese drei Grundbedingungen eines chancengleichen Schulwesens ‑ gemeinsames Lernangebot, Individualisierung, Differenzierung ‑ sind schulorganisatorisch am besten durch eine Stufengliederung des Schulwesens zu erreichen. Prinzip einer derartigen Stufengliederung ist es, unter Ablösung der bisherigen vertikalen Gliederung des Schulwesens in den einzelnen Stufen ‑ Primarbereich (1.-4. Schuljahr), Sekundarbereich I (5.-10. Schuljahr), Sekundarbereich II (11.-13. Schuljahr) ‑ die betreffenden Schuljahrgänge aller Schulformen in ihrer Gesamtheit zusammenzufassen, d. h. die vertikale Gliederung durch eine den Obergang erleichternde horizontale Gliederung des Schulwesens zu ersetzen, ohne hierbei eine Verschmelzung und Gleichmacherei der Schulsysteme herbeizuführen.

Die Verwirklichung einer derartigen schulorganisatorischen Zielsetzung bedingt den räumlichen Verbund bzw. die Integration der herkömmlichen Einrichtungen auf jeder der genannten Stufen.

Stufengliederung des Schulwesens

Die Grundsätze für das Schulwesen sind: Chancengleichheit, Leistungsfähigkeit, Differenzierung, Modernisierung und Demokratisierung. Ihre Verwirklichung erfordert eine tiefgreifende Änderung der Struktur unserer heutigen Schulen.

Bisher sind die Schulformen getrennt nach Grund‑ und Hauptschule, Realschule und Gymnasium und Berufsschule. Sie sollen nun in drei Schulstufen zusammengefaßt und langfristig integriert werden.

Wie bereits an anderer Stelle ausgeführt unterscheiden wir:
Elementarbereich (3- bis 4jährige/5jährige)
Primarbereich (5jährige/6- bis 9jährige/Vorklasse und Klassen 1 bis 4)
Sekundarbereich I (10- bis 15jährige/Klassen 5 bis 10)
Sekundarbereich II (16- bis 18jährige/Klassen 11 bis 13)
Tertiärbereich (Hochschulbereich).

Der E l e m e n t a r b e r e i c h beginnt heute mit dem 3. Lebensjahr. Nach dem jetzigen Stand der pädagogischen Diskussion gibt es noch keine gesicherten Erfahrungen, Kindern vor dem dritten Lebensjahr in einem Prozeß der organisierten pädagogischen Betreuung außerhalb der Familie Entwicklungshilfen anzubieten. Dabei gilt es auf Grund der Erfahrungen der Kinderpsychologie als gesichert, daß ein Kind gerade während der ersten drei Lebensjahre durch eine verständnisvolle und anregende Umwelt am besten gefördert wird und in diesem Zeitraum den größten Entwicklungsschub seines ganzen Lebens erfährt. Wegen der naturgegebenen unterschiedlichen Verhältnisse in den einzelnen Familien ergeben sich in dieser Phase aber auch wesentliche äußere Bedingungen einer Chancengleichheit. Trotz dieser Erkenntnis ist das dritte Lebensjahr als Beginn des Elementarbereichs heute unbestritten. Dagegen gehen die Auffassungen über die obere Grenze um ein Jahr auseinander. Während eine Gruppe die Fünfjährigen noch der mehr spielerischen Erfahrung der Umwelt im Kindergarten zuordnen möchte, meint die andere Gruppe, daß Fünfjährige überwiegend bereits zum spielerischen Lernen befähigt sind und eines zielgerichteten pädagogischen Angebots bedürfen. In diesem Fall werden die Fünfjährigen zum Primarbereich gerechnet.

Der P r i m a r b e r e i c h umfaßt die Altersstufen 6 bis 9, was den Klassen 1 bis 4 der Grundschule einschließlich des Schulkindergartens entspricht. In diesem Bereich ist seit der Weimarer Schulreforrn die Grundschule die gemeinsame Schule aller Kinder. Der Primarbereich weist mithin heute schon als einziger Schulbereich eine horizontale Stufengliederung auf. Für eine Einbeziehung der Fünfjährigen (Vorklasse) in diesen Bereich spricht vor allem der Vorteil der pädagogischen Einheit von der Vorklasse bis zum Obergang auf eine weiterführende Schule nach der vierten Klasse. Die Vorklasse ist als Eingangsstufe des Primarbereiches wegen des kontinuierlichen Verlaufs des Bildungsprozesses und die darauf ausgerichtete pädagogische Zielsetzung diesem im besonderen Maße zugeordnet. Das in unserem Lande z. Z. laufende Erprobungsprogramm für die Vorklasse soll zudem einen Aufschluß darüber bringen, ob auf längere Sicht das Einschulungsalter vom vollendeten sechsten auf das vollendete fünfte Lebensjahr vorverlegt werden soll. Auch diese Oberlegung spricht dafür, die Fünfjährigen dem Primarbereich zuzuordnen, da bei einer so vorbereiteten Stufengliederung einer evtl. späteren Vorverlegung des Einschulungsalters organisatorisch keine Schwierigkeiten entgegenstehen. Dies ist im Hinblick auf die bereitzustellenden Klassenräume und damit auf den Schulbau insofern von besonderer Bedeutung, als die schulpolitische Diskussion in unserem Lande davon ausgeht, daß eine evtl. Vorverlegung der Einschulung zu einer Verlängerung der Grundschule um eine Klasse und nicht zu einem früheren Obergang in den Sekundarbereich I führen soll. In einem solchen Fall soll die Vorklasse als generelle Eingangsstufe den Klassen 1 bis 4 der Grundschule vorgeschaltet werden, so daß die Grundschule dann aus fünf Klassen statt bisher aus vier Klassen plus freiwilliger Vorklasse besteht.

Der S e k u n d a r b e r e i c h I umfaßt die Klassen 5 bis 10 aller Schulformen, was im Durchschnitt den Jahrgängen 10 bis 15 entspricht. Zu ihm gehören die Hauptschule, die Realschule, die Klassen 5 bis 10 des Gymnasiums und die vergleichbaren Klassen des Sonderschulwesens. Am Ende soll ein qualifizierender erster Abschluß stehen, der entweder zur berufsbezogenen oder zur studienbezogenen weiteren Ausbildung berechtigt.

Die ersten beiden Klassen des Sekundarbereichs I, die Klassen 5 und 6, sollen zur Orientierungsstufe zusammengefaßt werden. Dabei ist noch nicht entschieden, ob diese schulformbezogen oder schulformunabhängig unter Verzicht auf leistungshomogene Gruppierungen eingerichtet werden soll. Ziel der Orientierungsstufe ist es, die Lernfähigkeit der Schüler zu erproben, ihre Begabungsrichtungen festzustellen und ihre Lernfreude und Neugier zu ermuntern. Solange das weitere Schulwesen des Sekundarbereichs 1 noch auf Schulformen ausgerichtet ist, muß nach der 6. Klasse die Entscheidung der Eltern unter Beratung durch Pädagogen für den Besuch einer weiterführenden Schule fallen. Es besteht berechtigte Hoffnung, daß eine solche Entscheidung nach der 6. Klasse beim Alter des Kindes von rund 12 Jahren mit größerer Erfolgswahrscheinlichkeit getroffen werden kann als ‑ wie bisher ‑ am Ende des 4. Schuljahres. Den Abschluß des Sekundarbereichs I soll generell das 10. Schuljahr bilden. Während diese Klasse heute schon bei dem Gymnasium der Realschule und der Fachoberschule erreicht wird, ist die Hauptschule zum überwiegenden Teil noch auf die 9. Klasse beschränkt und bietet nur für einen geringen Teil ihren Absolventen ein freiwilliges 10. Schuljahr an. Hier ist langfristig zu erwarten, daß die allgemeine Schulpflicht um ein 10. Schuljahr in Vollzeitform verlängert wird (vgl. Regierungserklärung der Bundesregierung vom 28. 10. 1969). Dagegen ist noch offen, wo diese Klasse angesiedelt werden soll. Nach der Diskussion in unserem Lande ist zu erwarten, daß neben Gymnasium und Realschule ein Teil der Schüler dieses Schuljahres im Bereich der Grundbildung an der Hauptschule unterrichtet werden soll, während der andere Teil das 10. Schuljahr berufsfeldbezogen als Berufsgrundschuljahr im organisatorischen Verbund der berufsbildenden Schulen absolvieren soll.

Der S e k u n d a r b e r e i c h II besteht aus dem Teil der schulischen Bildung zwischen dem Sekundarabschluß I und der Berufsausübung bzw. dem Hochschulbereich. Er umfaßt die Klassen 11 bis 13 des Gymnasiums, die Fachoberschule und alle Vollzeit­und Teilzeitformen des berufsbildenden Schulwesens. Er wird inhaltlich und zeitlich differenzierte Abschlüsse vermitteln, sowohl als Qualifikation zum Eintritt in das Berufsleben wie auch als Berechtigung zum Studium an einer Fachhochschule oder wissenschaftlichen Hochschule. Wegen des in Deutschland historisch bedingten Auseinanderfallens von beruflicher und studienbezogener Bildung stehen der pädagogischen Ausgestaltung in diesem Bereich zu einer kooperierenden oder gar integrierten Stufenschule besondere Schwierigkeiten entgegen, auf die im einzelnen noch einzugehen sein wird.

Zum tertiären Bereich gehören alle Hochschulen. Also die Universitäten und Gesamthochschulen, die Technischen Hochschulen, die Pädagogischen Hochschulen, die Kunst‑ und Sporthochschulen sowie die Fachhochschulen mit sämtlichen in ihnen zusammengefaßten Abteilungen und Fachbereichen. Sie sind gekennzeichnet durch eine Berufsvorbereitung auf Grund von Forschung, Lehre und Studium bzw. durch Vermittlung einer auf wissenschaftlicher oder künstlerischer Grundlage beruhenden Bildung. Die Vorarbeiten zur Errichtung von Gesamthochschulen dienen dem im Bildungswesen einheitlichen Bemühen, vergleichbare Einrichtungen horizontal zusammenzufassen, mit dem Ziel, abgestufte und aufeinanderbezogene Studiengänge und Studienabschlüsse anzubieten.

Auf Grund der aufgezeigten Gliederung des Schulwesens ergeben sich für die jeweiligen Bereiche im einzelnen folgende pädagogische Zielplanungen und quantitative Daten:

 

Bildungspolitische Zielsetzung

Unter Teil 2 (Stufengliederung des Schulwesens) wurde der derzeitige Istbestand bzw. der angestrebte Sollzustand erläutert. Die Stufengliederung des Schulwesens jedoch bedarf einer weiteren Vervollkommung. Insbesondere ist an

1 . die Verbesserung im Elementarbereich

2. die berufliche Bildung bis zum Abschluß des Sekundarbereiches II

3. die Einführung der Orientierungsstufe

4. der Ausgleich des Lehrerbedarfs und

5. die Erweiterung der Kapazität im Hochschulbereich

zu denken.

Bildungspolitische Zielsetzung muß es somit sein, eine langfristige Rahmenplanung zu entwickeln und ein quantitatives und qualitatives Entwicklungsprogramm für die gesamte Bundesebene aufzustellen.

a)   Elementarbereich

Wie bereits unter Teil 2 ausgeführt, umfaßt der Elementarbereich alle Einrichtungen der familienergänzenden Bildung und Erziehung nach Vollendung des 3. Lebensjahres bis zum Beginn der Schule. Dabei unterscheiden wir heute den Bereich der 3- und 4jährigen vom Bereich der 5jährigen. Da 5jährige sowohl im Elementarbereich wie auch im Primarbereich zu finden sind, wird diese Altersgruppe in einem besonderen Abschnitt behandelt.

Der Elementarbereich muß so ausgebaut werden, daß alle 3‑ und 4jährigen, deren Eltern es wünschen, einen Platz erhalten können. Dabei sollen neue Erkenntnisse der Frühpädagogik für ein dem Alter angemessenes Bildungsangebot genutzt werden, auch um individuelle Benachteiligung und Behinderungen möglichst weitgehend auszugleichen. Das setzt eine Verringerung der Gruppengrößen und eine Verbesserung der Raum‑ und Sachmittelausstattung voraus.

In der Anlage ist ein Auszug des Bildungsgesamtplanes der Bund‑Länder‑Kommission beigefügt, in der die Entwicklung des Elementarbereiches in der Zeit von 1970 bis 1985 dargelegt wird. Nach Vorstellungen der Bund-Länder-Kommission sollen spätestens im Jahre 1980 70 % aller Kinder des Elementarbereiches einen Kindergartenplatz finden.

b)   Einrichtungen für 5jährige

5jährige befinden sich vorläufig sowohl in Einrichtungen des Elementarbereiches als auch in Einrichtungen des Primarbereiches. Die Frage, ob die pädagogische Verbindung von Elementarbereich und Primarbereich auch eine einheitliche organisatorische Zuordnung der Einrichtungen für 5jährige entweder zum Elementarbereich oder zum Primarbereich erfordert, soll entschieden werden, wenn ausreichende Erfahrungen vorliegen.

Die Einrichtungen für 5jährige sollen im Planungszeitraum so ausgebaut werden, daß sie möglichst von allen Kindern dieser Altersgruppe genutzt werden können. Die Bund-Länder-Kommission sieht so vor, daß spätestens im Jahre 1980 85 % aller 5jährigen und im Jahre 1985 100 % aller 5jährigen durch Einrichtungen der Vorschule erfaßt werden. Der Ausbau der Einrichtungen für 5jährige darf jedoch nicht dazu führen, daß die Lerninhalte und Arbeitsformen der heutigen 1. Klasse der Grundschule vorverlegt werden. Die Entwicklung soll von den bereits im Elementarbereich und im Primarbereich vorhandenen Ansätzen ausgehen. Sie verlangt eine enge Zusammenarbeit der beteiligten Eltern, Lehrer und Erzieher, Verwaltungen und Träger.

c)   Primarbereich

Im Primarbereich werden die Schüler allmählich von den Formen des mehr spielerischen Lernens (siehe Elementarbereich und Vorschule) zu den systematischeren Formen des schulischen Arbeitens hingeführt.

Das Lernangebot im Primarbereich soll erneuert werden, z. B. durch Hinführen zu entdeckendem Lernen, zu selbständigen und gemeinschaftlichen Arbeiten sowie zur Einübung im Problemlösen. In Inhalt und Form muß das schulische Angebot an die Lernveranlagungen, die Erfahrungswelt und die Lerngeschichte des einzelnen Kindes angepaßt werden.

Ein wesentliches Ziel des Ausbaues im Primarbereich ist es, das wachsende Lehrerangebot zu nutzen, um die gerade auf dieser Stufe pädagogisch unbefriedigenden hohen Klassenfrequenzen zu senken. In der Anlage ist ein Diagramm der Bund-Länder-Kommission beigefügt, in dem dargelegt wird, daß in den Jahren 1980 bis 1985 die Grundschüler sich um mehr als eine Million verringern werden, dem hier gegenüber jedoch das Schüler-Lehrer-Verhältnis auf 25 bis 22 bzw. 23 bis 19 Schüler pro Lehrer anwachsen wird.

d)   Sekundarbereich I

Der Sekundarbereich I umfaßt alle Bildungsgänge, die auf den Primarbereich aufbauen und bis zum 9. bzw 10. Schuliahr reichen. Zwar wird vorläufig noch für viele Schüler der Vollzeitunterricht mit dem 9. Schuljahr enden, es wird sich aber die Tendenz fortsetzen, daß immer mehr Schüler ein 10. Vollzeitschuljahr wählen.

Durch Unterricht im Sekundarbereich I soll für alle Schüler eine allgemeine, wissen­schaftsorientierte Grundbildung gewährleistet werden. Dabei ist eine vorzeitige Festlegung auf bestimmte Bildungsgänge zu vermeiden. Die Neigung und die Befähigung des einzelnen sollen dadurch berücksichtigt werden, daß durch eine zunehmende Wahl‑ und Leistungsdifferenzierung unter Beibehaltung eines verpflichtenden Kernbereiches gemeinsame Inhalte geschaffen wird. In der Anlage ist wiederum ein Diagramm der Bund‑Länder‑Kommission beigefügt, in dem dargelegt wird, daß sich die Schülerzahl im Sekundarbereich I bis zum Jahre 1980 auf etwa 5,2 Millionen anwachsen wird, bis 1985 jedoch wieder auf 4,1 Millionen zurückgehen wird. Das Schüler‑Lehrer-Verhältnis wird weiterhin von derzeit etwa 23 Schüler pro Lehrer auf 20 Schüler pro Lehrer gesenkt werden.

Obereinstimmung im Sekundarbereich I besteht darin, daß die beiden ersten Schuljahre des Sekundarbereiches zur Orientierungsstufe zusammengefaßt werden sollen. Hier sollen alle Schüler ein einheitliches Bildungsangebot erhalten. Einige Länder der Bundesrepublik Deutschland haben die Orientierungsstufe verwirklicht. Im Lande Nordrhein-Westfalen werden z. Z. alternative Untersuchungen vorgenommen.

Am Ende des Sekundarbereiches I sollen alle Schüler die Gelegenheit zu einem qualifizierten Abschluß erhalten. Der Sekundarabschluß I setzt die Erfüllung qualifizierter Anforderungen in einem gemeinsamen Grundbereich sowie Wahlbereich voraus und eröffnet auf diesen Grundlagen Zugang zu entsprechenden Bildungsgängen des Sekundarbereiches II.

e)   Sekundarbereich II

Der Sekundarbereich II umfaßt alle Bildungsgänge, die unmittelbar auf den Sekundarbereich I aufbauen. Dazu gehören

Bildungsgänge, die auf einen Beruf vorbereiten

Studienbezogene Bildungsgänge

Bildungsgänge, die mit einer beruflichen Qualifikation oder

Ausrichtung auch weiterführende Bildungsgänge im tertiären Bereich eröffnen

Bildungsgänge für Jugendliche, die gegenwärtig ohne Schulabschluß in das Erwerbsleben eintreten.

Die Inhalte, Arbeitsweisen und Organisationsformen des Sekundarbereiches 11 sollen nach folgenden Grundsätzen neu geordnet werden:

Alle Bildungsgänge des Sekundarbereiches II sollen so gegliedert werden, daß dem einzelnen Schüler die Möglichkeit geboten wird, seine Neigungen und Fähigkeiten entsprechende Schwerpunkte zu bilden.

Die Herstellung der Gleichwertigkeit von beruflicher und allgemeiner Bildung ist eine vordringliche bildungspolitische Aufgabe.

Die Lehrangebote im derzeitigen allgemeinen beruflichen Bildungswesen sollen inhaltlich besser aufeinander abgestimmt und miteinander verzahnt werden.

Der theoretische Teil der Bildungsgänge, die unmittelbar auf einen Beruf hinführen, soll weiter ausgebaut und vielfältiger gestaltet werden, ohne die Nähe zur Praxis aufzugeben.

Die neue Struktur der Bildungsgänge im Sekundarbereich II erfordert eine Neuordnung der Abschlüsse und damit ihnen gegebenen Qualifikationen. Jeder Abschluß wird in seinem Profil, Art, Inhalt und Umfang des erfolgreich durchlaufenen individuellen Bildungsganges wiederspiegeln. Je nach Art und Umfang seines Bildungsganges wird der einzelne Schüler in der Regel zwei bis drei Jahre im Sekundarbereich II sein.

In der Anlage sind Diagramme der Bund-Länder-Kommission für den Sekundarbereich II beigefügt. Hier ist das Anwachsen der Schülerzahl, aber auch das Verhältnis der Schülerplätze je Lehrer zu entnehmen.

f)    Sonderpädagogik

Die Sonderpädagogik umfaßt die besondere Betreuung der lernbehinderten sowie der geistig und körperlich behinderten Kinder. Diese Betreuung kann sowohl in Sonderschulen als auch durch geeignete Maßnahmen im allgemeinen Schulwesen erfolgen.

Bei der Einrichtung des Sonderschulwesens ist eine möglichst enge Verzahnung mit dem allgemeinen Bildungswesen anzustreben. Art und Umfang der Behinderungen entscheiden darüber, inwieweit der einzelne Schüler in den normalen Unterrichtsbetrieb eingegliedert werden kann oder einer besonderen pädagogischen Betreuung bedarf. In der Anlage ist wiederum ein Diagramm der Bund-Länder-Kommission beigefügt, in der gerade die Förderung des Sonderschülers näher erläutert ist.

g)   Lehrerbildung

Die Neugestaltung des Schulwesens erfordert auch eine Neuorientierung der Lehrerbildung. Die horizontale Gliederung des Schulsystems muß dabei besonders berücksichtigt werden. Deshalb sind folgende Lehrämter mit stufenbezogenem Schwerpunkt einzurichten

Lehramt für den Primarbereich

Lehramt für den Sekundarbereich I

Lehramt für den Sekundarbereich II

Gleichzeitig wird der ständigen Fortbildung des Lehrers eine besondere Bedeutung beigemessen.

h)   Tertiärer Bereich

Innerhalb des tertiären Bereichs ist zwischen Hochschulen und sonstigen Ausbildungsstätten mit berufsqualifizierenden Bildungsgängen zu unterscheiden. Die Hochschulen sind dadurch gekennzeichnet, daß zu ihren Aufgaben die Vorbereitung auf solche beruflichen Tätigkeiten gehört, die die Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden oder die Fähigkeit zu künstlerischer Gestaltung erfordern.

Zu den sonstigen berufsqualifizierenden Ausbildungsstätten gehören diejenigen Schulen, Fachschulen und höheren Fachschulen, die vor allem für Tätigkeitsbereiche in gewerblichen, kaufmännischen und technischen Berufen ausbilden. In ihnen wird keine Forschung betrieben. Die Ausbildungszeit übersteigt zumeist nicht 2 Jahre. Zugangsvoraussetzung ist in der Regel ein Sekundarabschluß II.